Tegernsee (ots)

Allianz Trade warnt: Eine schwere Flut könnte Deutschlands Wirtschaft in drei Jahren um bis zu 108 Milliarden Euro bremsen.

Das meldete die dpa Presseportal (ots) unter Berufung auf eine Studie von Allianz Trade. Für Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen ist vor allem die Botschaft relevant: Hochwasser ist nicht nur ein lokales Schadensereignis, sondern kann Investitionen, Lieferketten, Konsum und öffentliche Finanzen spürbar belasten. Laut der Analyse könnte ein signifikantes Hochwasserereignis 2027 die deutsche Wirtschaftsleistung in den drei Folgejahren kumuliert um rund 108 Milliarden Euro reduzieren.

Die Studie des Kreditversicherers rückt damit ein Risiko in den Fokus, das in der Unternehmenspraxis oft erst nach einem Extremereignis sichtbar wird. Direkt betroffen sind zwar zunächst Gebäude, Maschinen und Lagerbestände. Doch die wirtschaftlichen Folgen reichen weiter: ausbleibende Investitionen, Produktionsunterbrechungen, schwächere Nachfrage und höhere Belastungen für den Staat. Allianz Trade verweist darauf, dass Prävention sich rechnerisch auszahlt und Hochwasserschutz volkswirtschaftlich deutlich günstiger sein kann als das spätere Bezahlen der Schäden.

Investitionen in Schutzmaßnahmen zahlen sich laut Studie aus

Besonders wichtig für den Mittelstand: Die Studie setzt nicht nur auf Schadensbeschreibung, sondern auch auf den ökonomischen Nutzen von Vorsorge. Jeder in Hochwasserschutz investierte Euro vermeide Schäden in etwa vierfacher Höhe, heißt es. Genannt werden natürliche Rückhalteflächen, widerstandsfähige Infrastruktur und eine risikobewusste Flächenplanung. Für Unternehmen bedeutet das: Wer Standorte, Lieferwege oder Lager in gefährdeten Regionen hat, sollte Klimaanpassung nicht als Nebenprojekt behandeln.

Allianz Trade betont zugleich, dass sich die Flutschäden in Europa in den vergangenen Jahren deutlich verschärft haben. Zwischen 2020 und 2025 lagen die Schäden in Europa demnach rund 40 Prozent über denen des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts. Deutschland steht laut Studie besonders im Fokus: Zwischen 2000 und 2025 seien hierzulande mit rund 69 Milliarden Euro die höchsten kumulierten Hochwasserschäden Europas entstanden. Das unterstreicht das Standort- und Betriebsrisiko.

Für Geschäftsführer ist vor allem der indirekte Effekt entscheidend. Laut der Analyse würde eine schwere Flut in Deutschland bis 2030 zu einem kumulierten Rückgang der Bruttoanlageinvestitionen von 11,9 Prozent führen. Das entspräche einem Verlust von rund 83,6 Milliarden Euro. Besonders betroffen wären also nicht nur Reparaturen, sondern auch neue Maschinen, Erweiterungen und Modernisierungen, die für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit zentral sind.

Warum Fluten für Unternehmen länger nachwirken

Die Studie verweist darauf, dass ein Hochwasserereignis weit über den eigentlichen Schadentag hinaus wirkt. Neben direkten Zerstörungen drücken vor allem Produktionsausfälle, gestörte Lieferketten und vorsichtigeres Investitionsverhalten auf das Wachstum. Für Unternehmen in betroffenen Regionen kann das bedeuten, dass Aufträge später abgearbeitet werden, Kunden länger warten und Liquidität unter Druck gerät. Genau diese Kettenreaktion macht das Thema für die Unternehmensführung so brisant.

Auch die private Nachfrage bleibt nicht verschont. Laut Allianz Trade sinkt das reale verfügbare Einkommen in Deutschland nach einem schweren Hochwasser kumuliert um rund 4,1 Prozent. Zugleich geht der private Konsum um rund 44 Milliarden Euro zurück. Für Betriebe aus dem Handel, dem Konsumgüterbereich oder dem Dienstleistungssektor kann das zusätzliche Bremsspuren bedeuten, selbst wenn der eigene Standort nicht direkt betroffen ist.

Hinzu kommt die Belastung für die öffentlichen Haushalte. Das staatliche Defizit würde sich in Deutschland zwischen 2027 und 2030 kumuliert um 1,7 Prozentpunkte des BIP ausweiten. Höhere Ausgaben für Soforthilfe, Wiederaufbau und Infrastruktur treffen dann auf sinkende Steuereinnahmen. Aus Sicht der Studie ist Prävention deshalb auch fiskalisch sinnvoll. Es handelt sich allerdings um die Einschätzung von Allianz Trade, die dpa Presseportal (ots) verbreitet hat.

Umsetzung bleibt hinter dem Bedarf zurück

Die Meldung verweist darauf, dass Deutschland nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 zwar reagiert hat: Frühwarnsysteme wurden ausgebaut, das Klimaanpassungsgesetz verabschiedet und Hochwassergefahrenkarten überarbeitet. Trotzdem sieht Allianz Trade weiterhin erhebliche Lücken bei der Umsetzung. Beim Nationalen Hochwasserschutzprogramm seien seit 2013 zwar Maßnahmen im Umfang von 6 bis 7 Milliarden Euro geplant worden, tatsächlich abgeflossen seien bislang aber nur etwas mehr als 500 Millionen Euro.

Als Bremsen nennt die Studie vor allem langwierige Genehmigungsverfahren und die komplizierte Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Für Unternehmen ist das eine unbequeme, aber wichtige Erkenntnis: Wer auf staatliche Vorsorge allein setzt, muss oft lange warten. Deshalb rückt die eigene Resilienz stärker in den Vordergrund, etwa bei Standortwahl, Notfallplänen, Versicherungsdeckung und der Prüfung kritischer Lieferanten.

Unterm Strich zeigt die Allianz-Trade-Studie: Hochwasser ist längst ein wirtschaftliches Risiko erster Ordnung. Für Geschäftsführer heißt das nicht Alarmismus, sondern nüchterne Vorsorge. Wer Standorte, Lieferketten und Investitionen auf Flutrisiken prüft, schützt nicht nur Vermögen, sondern auch Wachstumschancen. Die vollständige Studie stellt Allianz Trade laut Mitteilung online zur Verfügung.

Quelle: Studie: Die nächste schwere Flut würde Deutschland in den folgenden drei Jahren bis zu 108 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung kosten – Pressemitteilung auf presseportal.de
Bild: KI-generiertes Symbolbild