IAB und ifo simulieren Reformen bei Wohngeld und Kinderzuschlag: Beide Modelle verändern Arbeitsanreize und Staatskosten spürbar.

Im Auftrag der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission zur Sozialstaatsreform haben das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und das ifo Institut zwei Reformansätze verglichen: die Integration von Wohngeld und Kinderzuschlag in eine reformierte Grundsicherung sowie die Zusammenlegung beider Leistungen zu einer neuen vorgelagerten Leistung.

Nach Angaben des IAB würde das Aufgehen von Wohngeld und Kinderzuschlag in einer reformierten Grundsicherung mit veränderten Hinzuverdienstregeln überwiegend zu fiskalischen Einsparungen führen. Die Forschenden sehen zugleich die Tendenz, dass geringe Monatseinkommen stärker und hohe Monatseinkommen schwächer angerechnet werden; Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen stünden kurzfristig schlechter da, die Anreize zur Ausweitung des Arbeitsangebots nähmen aber zu.

ifo-Forscher Maximilian Blömer sagte, eine mittelfristige Erhöhung des Arbeitsangebots von Geringverdienenden sei bei einer Integration der Sozialleistungen zu erwarten, wenn Haushalte mit Kindern und höheren Wochenarbeitszeiten, die derzeit Wohngeld und Kinderzuschlag beziehen können, nicht schlechter gestellt würden. Nach Einschätzung der Kommission entspräche dies der zentralen Empfehlung, ein neues einheitliches Sozialleistungssystem zu schaffen, das finanzielle Anreize für eine vollzeitnahe Beschäftigung setzt.

Unterschiedliche Effekte je nach Ausgestaltung

Bei einer Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag nach Wohngeldlogik erwarten IAB und ifo geringe fiskalische Einsparungen bei moderaten positiven Arbeitsangebotswirkungen. Wird eine Kinderkomponente in die Wohngeldformel integriert, entstehen nach den Simulationen Mehrkosten, dafür aber etwas stärkere positive Reaktionen beim Arbeitsangebot.

Wird die Zusammenlegung nach der Logik der Grundsicherung gestaltet, simulieren die Institute überwiegend moderate positive Arbeitsangebotsreaktionen bei fiskalischen Einsparungen. Starke Reaktionen werden dagegen nach diesen Berechnungen nur dann erreicht, wenn höhere Staatskosten mit einer konstant niedrigen Transferentzugsrate verbunden sind.

Was die Simulationen leisten

Für die Berechnungen nutzten die Forschenden zwei verhaltensbasierte Mikrosimulationsmodelle. Damit lässt sich nach Angaben des IAB abschätzen, wie sich Veränderungen im Steuer- und Transfersystem auf individuelle Arbeitsanreize, die Einkommen privater Haushalte und den öffentlichen Haushalt auswirken.

Die Ergebnisse und die Grundlagen der Berechnungen sind laut Mitteilung in einem Bericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales dokumentiert. Dort werden die Reformoptionen steuerfinanzierter Sozialleistungen im Detail beschrieben.

Unterm Strich zeigen die Simulationen: Je nach Modell können Reformen bei Wohngeld und Kinderzuschlag entweder den Staat entlasten oder zusätzliche Kosten erzeugen. Zugleich verändern sie die Erwerbsanreize teils deutlich – mit Vorteilen für ein höheres Arbeitsangebot, aber auch mit kurzfristigen Belastungen für besonders einkommensschwache Haushalte.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Bild: KI-generiertes Symbolbild