Nach drei Umsatzjahren im Minus geraten viele KMU unter Liquiditätsdruck. Die Datev sieht bereits mehr Insolvenzen und steigende Betriebsaufgaben.

Die wirtschaftliche Lage des Mittelstands verschärft sich spürbar. Wie Datev eG, Nürnberg bekannt gab, haben Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland von 2018 bis 2023 bei Umsatz, Beschäftigung und Wertschöpfung Anteile verloren – obwohl die Zahl der Unternehmen deutlich gestiegen ist.

Weniger Umsatz, höhere Kosten, mehr Druck

Besonders belastend: Die Arbeitskosten steigen weiter. Nach Angaben der Datev legten die Löhne 2023 um 5,1 Prozent zu und 2025 nochmals um 4,2 Prozent. Gleichzeitig melden Steuerberater laut DATEV-Branchenbarometer mehr Liquiditätsrisiken, Restrukturierungen und Geschäftsaufgaben bei ihren Mandanten.

DATEV-Chef Robert Mayr spricht von einem Punkt, an dem sich die Geschäftstätigkeit für viele kleine Unternehmen nicht mehr lohnen könnte. Drei Jahre mit sinkenden Umsätzen nagen nach dieser Einschätzung an der Substanz vieler Betriebe.

Insolvenzen auf Rekordniveau

Auch bei den Insolvenzen zeigt sich die Verschlechterung deutlich. 2025 erreichte die Zahl der Insolvenzen in Deutschland laut DATEV einen neuen Höchststand. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte sowie größere Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern.

Bei klassischen KMU mit ein bis 100 Beschäftigten hat sich das Tempo zwar etwas beruhigt, nachdem sie 2024 noch die höchsten Zuwächse beim Insolvenzgeschehen verzeichnet hatten. Ein gutes Zeichen ist das nicht: In den DATEV-Systemen werden etwa 20 Prozent der Insolvenzen von Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter sichtbar, und für die letzten Monate 2025 deutet sich dort ein weiterer Anstieg an.

Westen rückt in den Fokus

Regional verschiebt sich der Schwerpunkt der ungeplanten Betriebsaufgaben. 2024 war vor allem der Osten betroffen, 2025 liegen die Hotspots laut DATEV klar im Westen. Besonders stark stiegen die Fälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.

In einzelnen Branchen verschärft sich die Lage ebenfalls: Im Baugewerbe hat sich der Anstieg der Insolvenzen seit vier Jahren verfestigt, im Verarbeitenden Gewerbe belasten schwache Umsätze die Ertragslage, und im Gastgewerbe schlagen Preissteigerungen und Personalmangel durch.

Die Datev verweist zugleich darauf, dass ein Insolvenzverfahren nicht in jedem Fall das Ende bedeutet: Knapp ein Drittel der Unternehmen kann anschließend fortgeführt werden. Dennoch zeigt die Entwicklung, wie schnell schwächere Erträge, steigende Kosten und Liquiditätsengpässe in eine existenzielle Schieflage führen können.

Die vollständige Auswertung „DATEV Spotlight Insolvenzen“ liegt als Pressemitteilung der Datev eG, Nürnberg vor. Sie ordnet die Lage des Mittelstands damit klar als Warnsignal ein: Wirtschaftliche Substanz geht verloren, während der Kostendruck weiter steigt.

Quelle: Datev eG, Nürnberg
Bild: KI-generiertes Symbolbild