Tegernsee (ots)

Nordzucker stoppt die Dividende und verschärft den Sparkurs: Nach einem historischen EBIT-Verlust setzt der Konzern auf Kostenkontrolle und neue Wachstumsfelder.

Das meldete die dpa Presseportal (ots) unter Berufung auf Nordzucker: Die Hauptversammlung in Braunschweig bestätigte den eingeschlagenen Kurs des Zuckerkonzerns und entlastete Vorstand und Aufsichtsrat mit sehr großer Mehrheit. Für Geschäftsführer ist vor allem relevant: Nordzucker reagiert auf ein extrem schwieriges Marktumfeld mit einem Sofortprogramm, das Verwaltung, Personal, Sachkosten und die Netzwerkstruktur betrifft, und hält zugleich an der Strategie „Fields for Growth“ fest. Ziel bleibt, das Geschäft bis 2027/28 wieder in die Gewinnzone zu führen.

Massiver Ergebniseinbruch zwingt zum Gegensteuern

Der Konzern schloss das Geschäftsjahr 2025/26 laut Mitteilung mit einem historisch niedrigen Ergebnis ab. Der Umsatz sank von 2,77 Milliarden Euro auf rund 2,34 Milliarden Euro, das operative Ergebnis drehte von plus 100,5 Millionen Euro auf minus 226 Millionen Euro. Als Belastungsfaktoren nennt Nordzucker zwei sehr ertragreiche Rübenernten, hohe Bestände im EU-Zuckermarkt und deutlich gefallene Absatzpreise. Die australische Tochter Mackay Sugar steuerte 0,3 Millionen Euro zum Ergebnis bei.

Für Unternehmen im Mittelstand zeigt der Fall, wie schnell Marktpreise, Rohstoffkosten und Mengenentwicklung die Kalkulation kippen können. Nordzucker setzt deshalb auf eine engere Synchronisierung von Ergebnisentwicklung und Rohstoffkosten sowie auf ein angepasstes Rübenpreismodell in Deutschland. Das Unternehmen will damit die Zusammenarbeit mit den Anbauern flexibler machen und zugleich die Basis für einen wettbewerbsfähigen Anbau in Europa sichern.

Strategie bleibt auf Diversifizierung und Profitabilität ausgerichtet

Mit der Strategie „Fields for Growth“ verfolgt Nordzucker nach eigenen Angaben weiter einen klaren Kurs: Das Unternehmen will bis 2033 gewachsen, diversifizierter und profitabler werden. Es geht also nicht nur um Kostensenkung, sondern auch um den Ausbau des Rohrzuckergeschäfts sowie um alternative Proteine und funktionale Zutaten für Lebensmittel, die Nordzucker als „Smart Ingredients“ bezeichnet. Die Abhängigkeit vom europäischen Zuckermarkt soll sinken, ohne die Marktposition in Europa aufzugeben.

Der Aufsichtsrat unterstützt diese Linie ausdrücklich, wie Nordzucker mitteilt. Das ist aus Sicht von Geschäftsführern bemerkenswert, weil der Konzern den Druck nicht mit kurzfristigen Maßnahmen allein beantwortet, sondern die operative Stabilisierung mit einer strategischen Neuausrichtung verbindet. Nach Unternehmensangaben soll die Kostenstruktur schrittweise entlastet werden; für 2026/27 erwartet Nordzucker dennoch weiter ein negatives EBIT im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Dividende entfällt, Rückkehr in die Gewinnzone erst später

Die Hauptversammlungen von Nordzucker AG und Nordzucker Holding AG beschlossen zudem, für das laufende Jahr keine Dividende zu zahlen. Auch das ist ein Signal an Investoren und Anteilseigner: Vorrang hat derzeit die finanzielle Stabilisierung. Für die Nordzucker Holding AG, die 83,8 Prozent an der operativ tätigen Nordzucker AG hält, wurden zudem mehrere Aufsichtsratsmandate neu besetzt oder bestätigt.

Unterm Strich zeigt die Mitteilung vor allem eines: In einem volatilen Marktumfeld reicht operative Disziplin allein nicht aus, wenn Preise, Ernten und Lagerbestände gegen das Geschäftsmodell laufen. Nordzucker setzt deshalb auf striktere Kostenkontrolle, eine flexiblere Preislogik und neue Erlösquellen. Das Unternehmen selbst peilt an, im Geschäftsjahr 2027/28 wieder ein positives operatives Ergebnis zu erreichen.

Quelle: Nordzucker: Hauptversammlung bestätigt konsequenten Kurs und klare strategische Ausrichtung – Pressemitteilung auf presseportal.de
Bild: KI-generiertes Symbolbild