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Der private Konsum steht im Zentrum der Diskussion über die Zukunft der deutschen Wirtschaft. Experten warnen vor unzureichenden Investitionen und einem Stagnieren des Konsumklimas, das für das Wirtschaftswachstum unerlässlich ist.
Auf dem Konsumklima Summit 2025 in Berlin machten Wirtschaftsexperten unmissverständlich klar, dass die deutsche Wirtschaft vor ernsthaften Herausforderungen steht. Professorin Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates Wirtschaft, forderte vehement die Notwendigkeit von Investitionen. Diese Maßnahmen seien unerlässlich, um die Konjunktur anzukurbeln. Aktuell stehen jedoch nur etwa die Hälfte des geplanten Sondervermögens für zusätzliche Investitionen zur Verfügung, was Schnitzer als einen erheblichen Fehler bezeichnet. „Richtig eingesetzt könnte das Sondervermögen Wachstum und Transformation befördern“, betonte sie.
Ein weiterer zentraler Punkt, den Schnitzer hervorhob, betrifft das ungenutzte Potenzial des europäischen Binnenmarktes. In diesem Zusammenhang nannte sie die Notwendigkeit einer gemeinsamen Beschaffung sowie einer Harmonisierung von Vorschriften, die das wirtschaftliche Potenzial der Region erheblich steigern könnte.
Geringe Dynamik und hohe Sparneigung
Professor Lars Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts, äußerte sich besorgt über die derzeitige Lage der deutschen Wirtschaft. „Ich habe keine guten Nachrichten für Sie“, warnte er. Die geringe Dynamik der Unternehmen führe dazu, dass Investoren weltweit um Deutschland einen großen Bogen machen. Um die Situation zu verbessern, seien laut Feld bürokratische Hürden abzubauen und eine Deregulierung notwendig. Die Fragen des Moderators Thomas Schulz, Chefredakteur von SPIEGEL, über die Reaktion der Bevölkerung zeigten, dass zwar ein Problembewusstsein vorhanden sei, die Bereitschaft, persönliche Nachteile hinzunehmen, jedoch gering sei. Der Ökonom befürchtet, dass es „wohl noch schlimmer kommen muss, bevor es besser wird“. Auch Schnitzer stimmte zu, dass die Schmerzgrenze für ein Umdenken in der Politik noch nicht erreicht sei.
Ein besonders kritischer Punkt in der aktuellen Diskussion ist die Zurückhaltung der Bundesregierung, die Empfehlungen der Wirtschaftsweisen konsequent umzusetzen. Schnitzer vermutet, dass die Sorge, Wählerinnen und Wähler an die AfD zu verlieren, eine große Rolle spiele. Angesichts des Strukturwandels, etwa in der Automobilindustrie, rechne man mit einer „blauen Welt in den Werkshallen“.
Stagnierendes Konsumklima als Warnsignal
Dr. Katharina Gangl, die im Oktober 2025 als Direktorin für den Bereich Studien ans NIM berufen wurde, wies auf die fundamentale Rolle des Konsums für die Wirtschaft hin. „Der Konsum macht mehr als 50 Prozent des BIP aus“, erklärte sie und betonte die Bedeutung der Konsumentinnen und Konsumenten als entscheidenden Teil der wirtschaftlichen Entwicklung. Die aktuelle November-Erhebung zeigt, dass das Konsumklima stagniert, die Einkommenserwartungen auf einem Nullpunkt liegen und die Anschaffungsneigung niedrig bleibt. Historisch hoch ist hingegen die Sparneigung, die zeigt, dass viele Verbraucher das Bedürfnis haben, Geld zurückzulegen, statt es auszugeben.
Anja Bauer, Senior Researcher beim NIM, ergänzte, dass persönliche Erinnerungen das Konsumverhalten stark beeinflussen. Trotz des Endes der Hochinflationsphase bleibe die Erinnerung an diese Zeit ein prägendes Element in der Wahrnehmung der Menschen und beeinflusse deren Einkommens- und Anschaffungsneigung. Dies führt zu einer subjektiven Inflationserwartung, die die allgemeine wirtschaftliche Stimmung belastet.
Obwohl Maßnahmen zur Förderung des Konsums ausbleiben, betonte Astrid Teckentrup, Geschäftsführerin von Procter & Gamble DACH, die Rolle des Konsums als Motor für das Wirtschaftswachstum. „Konsum kann die Konjunktur ankurbeln, wenn er die Lebensqualität verbessert“, sagte sie. Auch Katharina Gangl wies darauf hin, dass die Wahrnehmung von Konsum stark vom Zeitgeist sowie dem Image der Produkte abhängt. Sie warnte vor einem übertriebenen Zukunftspessimismus und betonte die Notwendigkeit, dass insbesondere junge Menschen optimistisch in die Zukunft blicken. „Daran müssen alle arbeiten“, so Gangl.
In dieser hochkarätig besetzten Diskussionsrunde wurde deutlich, dass ohne einen aufblühenden Konsum auch die Konjunktur leiden wird. Professorin Schnitzer brachte es auf den Punkt: „Wenn der Konsum schwächelt, schwächelt die Konjunktur.“ Der Konsumklima Summit verdeutlichte die Notwendigkeit, fundierte, auf Forschung basierende Diskussionen zu führen, gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Eine Fortsetzung dieser Veranstaltung ist im kommenden Jahr geplant.
Quelle: Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (ehemals GfK-Verein)