Halle/Saale (iwh)

Die Insolvenzgefahr in Deutschland nimmt spürbar zu: Im ersten Quartal 2026 wurden die höchsten Firmenpleiten seit über zwei Jahrzehnten registriert. Wirtschaftsexperten sprechen von alarmierenden Trends, die auch die Stabilität des Arbeitsmarktes gefährden.

Der aktuelle IWH-Insolvenztrend überrascht mit düsteren Zahlen: Im März 2026 waren in Deutschland 1.716 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften zu verzeichnen. Dies stellt einen Anstieg von 17% im Vergleich zum Vormonat und sogar 71% gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 dar. Besorgniserregend ist auch die Tatsache, dass die letzte höhere Zahl an Insolvenzen im Juni 2005 gemeldet wurde.

Die Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zeigt eine markante Zunahme der Pleiten im Baugewerbe, im Handel sowie in den wirtschaftlichen Dienstleistungen. Besonders betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, wo regionale Höchstwerte erreicht wurden.

Wachsende Arbeitslosigkeit durch große Insolvenzen

Die Folgen dieser Insolvenzen sind gravierend: Rund 14.000 Arbeitsplätze in den größten 10% der insolventen Unternehmen waren betroffen, was einen Rückgang von 40% im Vergleich zum Vormonat bedeutet. Dennoch liegt die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze 77% über dem Niveau eines typischen März der Vor-Corona-Jahre. Insgesamt waren im ersten Quartal 2026 über 54.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen bedroht – der höchste Stand seit dem dritten Quartal 2020.

Die Daten lassen erahnen, dass die Gründe für diesen Anstieg nicht allein in wirtschaftlichen Krisen liegen könnten, sondern auch in einer Häufung von Pleiten kleinerer Unternehmen, die besonders schwer von den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen getroffen werden. In den letzten Monaten sind Frühindikatoren deutlich angestiegen, was auf eine weiterhin problematische Marktlage hinweist.

Ausblick und weitere Herausforderungen

Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, warnt, dass die optimistischen Erwartungen auf ein positives Jahresende eine Illusion sein können. Die Frühindikatoren weisen darauf hin, dass die hohen Insolvenzzahlen im zweiten Quartal 2026 möglicherweise nicht nur eine Einmaleinheit darstellen. Das IWH schätzt, dass die außerordentlich hohe Anzahl an Insolvenzen auch in den kommenden Monaten wahrscheinlich bleibt.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, einschließlich steigender Zinsen und Inflation, belasten die Unternehmen zusätzlich und tragen zur Insolvenzanfälligkeit bei. Unternehmen, die über mehrere Jahre hinweg an ihren Kapazitäten festhielten, stehen nun vor der Herausforderung, sich wieder profitabel aufzustellen, was durch die hohe Zahl an Insolvenzen nur noch erschwert wird.

Die Entwicklungen im Insolvenzbereich sind somit ein klarer Indikator für die Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten steht. Diese Trends sollten von Unternehmen und Investoren genau beobachtet werden, da sie weitreichende Implikationen für die Stabilität und das Wachstum der Wirtschaft mit sich bringen.

Quelle: Leibnitz Institut für Wirtschaftsforschung