Ein Drittel der Abgewanderten nennt Bürokratie als Grund für den Wegzug. Für Unternehmen ist das ein Signal, dass auch Standortqualität über Verfahren und Tempo mitentschieden wird.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldet auf Basis seiner Folgebefragung im International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa): 2,6 Prozent der betrachteten Eingewanderten haben Deutschland bis zur zweiten Welle verlassen. Hochgerechnet entspricht das rund 260.000 Personen.

Unter den Ausgewanderten nennt laut IAB fast jede oder jeder Dritte aufwändige Bürokratie als Abwanderungsgrund. Die Forscherinnen und Forscher ordnen dies nach partnerschaftlichen und familiären Gründen als zweithäufigsten genanntem Motiv ein. Gemeint sind vor allem als langwierig, unübersichtlich oder schwer zugänglich erlebte Verfahren.

Abwanderung ist nicht nur eine Frage der Integration

Die Daten zeigen zugleich, dass Abwanderungspläne nicht zwingend schwache Bindung an Deutschland bedeuten. Unter den Ausgewanderten hatte fast jede zweite Person schon in der ersten Befragung entsprechende Pläne geäußert, weitere 18 Prozent hatten über einen Wegzug nachgedacht. Zugleich blieb knapp zwei Drittel der Personen mit Abwanderungsplänen bis zur Folgebefragung in Deutschland.

Nach Einschätzung des IAB kann der Zeitraum zwischen den beiden Befragungen zu kurz gewesen sein, um Pläne umzusetzen. Möglich sei auch, dass sich Lebensumstände verändert oder Vorhaben wieder aufgegeben worden seien. IAB-Forscherin Yuliya Kosyakova sieht darin ein Signal, frühzeitig zu erkennen, wer über Abwanderung nachdenkt, um Bleibeperspektiven gezielt zu stärken.

Viele gehen, einige kehren zurück

Unter den Ausgewanderten zog den Angaben zufolge der größte Teil nach Spanien, gefolgt von der Schweiz sowie Italien und Kroatien. 60 Prozent kehrten in ihr Herkunftsland zurück, 40 Prozent wanderten in ein anderes Land weiter.

Im Vergleich zu den Verbliebenen waren die Ausgewanderten im Schnitt jünger, lebten kürzer in Deutschland und verfügten seltener über sehr gute Deutschkenntnisse. Häufiger hatten sie dagegen sehr gute Englischkenntnisse, lebten öfter mit Familie im Ausland und erzielten niedrigere Bruttostundenlöhne.

Innerhalb der Gruppe gibt es laut IAB aber deutliche Unterschiede: Personen mit früheren Abwanderungsplänen sind häufiger hochgebildet, verfügen öfter über sehr gute Englischkenntnisse und erzielten höhere Löhne als Ausgewanderte ohne solche Pläne. IAB-Forscherin Theresa Koch betont deshalb, dass Abwanderungspläne nicht einfach mit schwacher Integration gleichzusetzen seien.

Das Institut verweist außerdem auf einen weiteren Befund: 50 Prozent der Ausgewanderten gaben rückblickend Unterstützungsbedarf bei Arbeit und Karriere an. Von ihnen hätten sich 56 Prozent Unterstützung von Bundesagentur für Arbeit oder Jobcenter gewünscht, 44 Prozent von kommunalen Stellen und 43 Prozent vom Arbeitgeber.

Das IAB leitet daraus ab, dass Fachkräftesicherung nicht nur über Zuwanderung, sondern auch über Verbleib, Abwanderung und mögliche Wiederzuwanderung gedacht werden sollte.

Auch nach dem Weggang bleibt die Bindung an Deutschland oft bestehen: 53 Prozent der Ausgewanderten wären rückblickend gerne länger oder dauerhaft geblieben, 57 Prozent denken laut IAB über eine spätere Rückkehr nach Deutschland nach.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Bild: KI-generiertes Symbolbild